Rugby im BSV 1892

Rugby-Meisterschaft 1936/37
Rugby-Meisterschaft 1936/37
Stehend:
 Thiesis, Hoffmeister, Hierse, Witt, Draheim, Bartel, Roth, Ryge, Reinhard,
Richter, Hanslok, Reger, Haninger.
Kniend: Hübner, Volkmann

Als im Olympiajahr 1936 die Rugbymannschaft von Tennis Borussia als Berliner Meister zum BSV 1892 wechselte, wer hätte da gedacht, daß mit diesem Wechsel der Grundstein für eine so erfolgreiche und große Abteilung gelegt wurde, auf die der Verein heute mit Recht stolz sein kann. Eine Abteilung, die seit vielen Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse spielt, mehrere Nationalspielerinnen und Nationalspieler stellen konnte und deren Pokalschrank voll von nationalen sowie internationalen Siegestrophäen ist.

Begonnen hatte die Geschichte mit dem Wechsel der kompletten Rugby Abteilung von Tennis Borussia zum BSV 92. Eine Mannschaft, die in acht Jahren ihres Bestehens fünf Berliner Meisterschaften errungen und den Einzug in das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einmal nur ganz knapp verfehlt hatte, verließ ihren Verein, weil sie sich dort nicht mehr gut vertreten fühlte. Trotz ihrer großen Erfolge mußte die Mannschaft alle ihre Heimspiele auf einem der Nebensportplätze von Tennis Borussia im Bezirk Niederschönhausen austragen. Hier war es unter anderem notwendig, die Goalstangen bei jedem Spiel ca. 400 Meter weit auf den Platz zu tragen, dort aufzubauen und natürlich sie auch wieder abzubauen und zurückzuschaffen. Auswärtige Gäste hier zu empfangen, war ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit.

Bei aller Begeisterung für das Rugbyspiel kam doch auf die Dauer darüber eine gewisse Unlust auf, sich bei jedem Spiel, auf eigenem Platz, dieser zusätzlichen Anstrengung zu unterziehen. Hinzu kam, daß fast alle Spieler in Charlottenburg und Wilmersdorf wohnten und der Hin- und Rückweg nach Niederschönhausen somit eine Tagesreise darstellte. Die wiederholte Bitte an den Hauptverein Tennis Borussia, ein anderes, in der Nähe gelegenes Spielfeld zur Verfügung zu steilen, konnte anscheinend nie erfüllt werden. So kam es, daß der Wunsch von 25 Spielern, den Verein zu wechseln und woanders eine Rugby-Abteilung aufzubauen, immer größer wurde. Zu diesen Spielern gehörte Ernst Czepluch, Werner Hanslok, Paul König, Hans Petznick, "Jonny" Richter und "Eibi" Thiesis.

Paul König war es dann, der beim BSV 92 auf Verständnis für die bestehenden Schwierigkeiten stieß. Der Verein gab die Zusage, den erforderlichen Platz zu stellen und mit der Gründung einer Abteilung einverstanden zu sein.

Am Lochowdamm in Wilmersdorf (heute Forckenbeckstraße), wo ein Nebenstadion der Olympischen Spiele gebaut war, stand ein Rasenplatz zu Verfügung, der für alle Spieler bequem zu erreichen war. So schlug die Geburtsstunde der Rugby Abteilung im BSV 92.

Zum 1. Vorsitzenden der neuen Abteilung wurde Paul König gewählt. Die Abteilung erhielt von Anfang an alle Unterstützung des Hauptvereins, dessen damalige Vorsitzenden Heinz Schmidt und Otto Strenz ihrem jüngsten Kind sehr wohlgesonnen waren, und die Mannschaft dankte es dem Verein nur ein Jahr später, 1937, mit der erneuten Berliner Meisterschaft.
Zu jener Zeit gab es in Berlin acht Rugbyvereine, von den 4 - 5 sogar noch eine 2. Mannschaft hatten, doch die Besten von ihnen kamen aus dem BSV 92. Bis zum Ausbruch des Krieges wurde es fast zur Regel, daß bei Städtespielen der BSV 92 mit 10 von 15 Spielern die meisten Spieler stellte. Im Jahr 1938, dem Jahr des zweiten und bisher letzten Sieges über Frankreich, standen dann auch mit "Eibi" Thiesis und "Jonny" Richter zwei BSV 92 Spieler in jener denkwürdigen deutschen Ländermannschaft.

"Eibi" Thiesis brachte es im ganzen auf 14 Länderspiele, und wenn man sich heute über die besten Rugby Stürmer unterhält, die Deutschland hervorgebracht hat, so wird sein Name immer genannt. "Jonny" Richter stand sechsmal in dieser Ländermannschaft, der es am 27. März 1938 in Frankfurt am Main gelang, mit 3:0 gegen Frankreich erfolgreich zu sein.

Alle Spieler des BSV 92 aufzuzählen, die bis Kriegsausbruch eine Berufung zur Stadt- oder Nationalmannschaft erhielten, würde hier zu weit führen.

Die erfolgreiche Entwicklung des Rugbysports in Berlin und beim BSV 92 wurde durch den Krieg dann jäh gestoppt. War Berlin vor dem Krieg noch eine Hochburg im Rugby, so war nach 1945 kaum noch etwas übrig geblieben. Viele Spieler waren gefallen, hatten die Zeit nur als Invaliden überlebt, oder waren in Gefangenschaft.

Infolge der Auflösung aller Vereine durch den Alliierten Kontrollrat dominierte der Kommunalsport, und die verbliebenen Spieler waren in alle Winde verstreut.

Unter dem Namen "Sportgruppe Wilmersdorf' kämpften die wenigen verbliebenen Spieler weiter und errangen dann 1947 und 1948 wieder die Berliner Meisterschaft. 1948 kam diese Mannschaft sogar bis in das Endspiel der Deutschen Rugby Meisterschaft, wo sie dann aber mit einem 30:0 gegen Victoria Hannover scheiterte, hauptsächlich deshalb, weil sie inzwischen stark überaltert war. Hier machte sich das Fehlen der vielen im Krieg gebliebenen Spieler bemerkbar. Andere Spieler waren inzwischen nach Hennigsdorf umgezogen, z.B. "Eibi" Thesis, der seine ganze Kraft dem Neuaufbau des Rugbysports widmete. Seine Arbeit bildete den Ausgangspunkt für die gesamte Rugby Bewegung im Osten Deutschlands. Viele heutige Trainer und Ex-Nationalspieler sind durch seine Schule gegangen, haben sich von ihm für den Rugbysport begeistern lassen und geben diese Erkenntnisse heute ihrerseits an junge Menschen weiter.
Trotzdem reichte die Spielstärke der Mannschaft, die mit der formalen Neugründung der Rugby Abteilung im Jahr 1949 als Team des BSV 92 spielte, aus, um die Berliner Meisterschaften von 1947-1954, also achtmal hintereinander, und auch 1956 zu gewinnen. Motor des Erfolges war der langjährige Kapitän der Mannschaft, Jonny" Richter, der es auf insgesamt 9 Berliner Meistertitel brachte. Als talentierter Dreiviertelspieler hatte er auch seinen Stammplatz in der damals sehr erfolgreichen Berliner Stadtmannschaft.

Nach Abschluss seiner Sportlerkarriere übernahm Jonny` Richter von seinem Vorgänger Fritz Sueplie für mehr als 10 Jahre die Geschicke unserer Abteilung, die er mit Umsicht und Erfolg führte. Er gehörte nach seiner Vorstandsarbeit noch viele Jahre dem Schiedsgericht des Deutschen Rugby Verbands an. In dieser Zeit traten die Alten Meister" vom sportlichen Geschehen zurück, einige Spieler verließen den Verein und gingen unter anderem nach Amerika oder Kanada. Doch die "Neuen Meister" wollten einfach nicht nachwachsen. Hinzu kam in dieser Zeit, am 13. August 1961, der Bau der Berliner Mauer. So blieb einigen Spielern und Freunden des Rugbysports aus Ost Berlin und aus dem Umland der Weg zum BSV 92 versperrt. Der Sportbetrieb mit Ost Berlin und der DDR, vorher schon stark reduziert, kam für die nächsten Jahre gänzlich zum Erliegen.

Was eigentlich den Rugbysport Berlins aufrecht erhielt und weiterentwickelte, war der in der Nachkriegszeit von den Alliierten (Briten, Franzosen und Amerikanern) aufgenommene gemeinsame Sportbetrieb. Nur so konnte das spielerische Niveau gehalten und sogar weiter entwickelt werden.

Kurt Schmidt, der als Trainer die undankbare Aufgabe in dieser Zeit übernahm, aus den verbliebenen Spielern eine gute Mannschaft zu formen, stand vielen Problemen gegenüber. Er startete sein Vorhaben, von wenigen Teilerfolgen abgesehen, ohne zu großer Wirkung. Es fehlten die entsprechenden Spieler. 1965 kam dann noch ein besonderer Aderlaß hinzu. Einige Polizisten, die in der 1. Mannschaft standen, hatten es sich in den Kopf gesetzt, beim Polizei Sport Verein wieder eine eigene Rugby Abteilung ins Leben zu rufen.

Dieser Verlust an Stammspielern war kaum noch zu ersetzen, und nur unter größter Anstrengung gelang es den verbliebenen Spielern unter der Trainingsleitung von Eberhard Linstädt, wieder eine volle Mannschaft aufzubauen. Ihnen sei an dieser Stelle für diese Leistung besonderer Dank gesagt.

Schüler und Jugendmannschaft

Anfang der Siebziger gelang es dann unserem damaligen Jugendwart Peter Welsh, einem Lehrer der John F. Kennedy Schule, zusammen mit Siegfried Kammholz, von dieser Schule Schüler für unsere Abteilung zu gewinnen. Damit war endlich der Durchbruch zum Aufbau von Schüler und Jugendmannschaften gelungen, der von Werner Engwer und Hans Petznick in den fünfziger und sechziger Jahren schon einmal mit großer Mühe und doch so geringem Erfolg versucht worden war.

Die Erfolge blieben jetzt nicht aus, und schon im Jahre 1978 wurden die Schüler der Klasse C zur allgemeinen Überraschung der deutschen Rugbygemeinde Deutscher Meister. Diesen Erfolg konnten die Schüler der Klasse C genau zehn Jahre später, im Jahre 1988, jetzt unter ihrem Trainer Alex Latotzky, wiederholen.

Hinten: (Begleiter), David Latotzky, (Begleiter), Alex Latotzky, John Rigney,
Caspar Leendertz, Olav Kahl.
Vorn: Guy Gross, Dean Dawson, Michael Hoppe, Martin Lingnau

Auch in den anderen Schüler und Jugendklassen standen die Mannschaften nicht nach und mehrere Berliner Meisterschaften konnten gewonnen werden. Diese sportlichen Höhepunkte sind beinahe ausnahmslos den Mitgliedern Wolfgang Erdmann, Peter Welsh, Siegfried Kammholz, Günter Schlosser, Alex Latotzky, Winfried Waeder und Manfred Neumann zu verdanken, die sich als Trainer und Betreuer unermüdlich dem Nachwuchs zur Verfügung stellten.

Diese gute Jugendarbeit des BSV 92 blieb auch an höherer Stelle dem Deutschen Rugbysport nicht verborgen. Gewürdigt wurde dies, indem eine Vielzahl von Jugendlichen und Junioren unseres Vereins in den vergangenen Jahren immer wieder in den Kader der Nationalmannschaft berufen und in Länderspielen eingesetzt wurden. So finden sich hier Namen wie der von Aiman Abdallah, Matthias Mücke, Andr Richter, Matthias Scheuerlein, Christian Strauch, John und Thomas Welsh, die zum großen Teil noch heute zu den Leistungsträgern der Bundesliga Mannschaft zählen.

Denen folgten als Junioren Nationalspieler u. a. Gerick Kammholz, Matthias Lorenzl und Gerrit Neumann für die DRJ. So wurde unsere Jugend A Mannschaft im Jahre 1992 Berliner Meister und nahm an der Deutschen Jugend Meisterschaft teil. Diese Mannschaft gewann auch im selben Jahr, in ihrer Klasse spielend, das größte deutsche Jugendturnier, das Fritz-Bösche-Turnier in Hannover.

Von denen, welche sich bisher um die Jugendarbeit unserer Abteilung bemüht hatten, und zuvor erwähnt worden sind, ist nur noch "East" Schlosser als Jugendtrainer aktiv. Alle anderen haben im Laufe der Zeit andere Aufgaben für uns übernommen. Wolfgang Erdmann, viele Jahre unser 2. Vorsitzender, war von 1990 bis 1991 unser 1. Vorsitzender. Ihm folgte bei der Wahl 1991 Manfred Neumann in dieser Funktion. Peter Welsh war als 2. Vorsitzender des Deutschen Rugby Verbandes sowie als 1. Vorsitzender des Berliner Rugby Verbandes lange Zeit tätig. Siegfried Kammholz war Vorsitzender des Rugby Verbandes Nordrhein Westfalen und Alex Latotzky viele Jahre Lehrwart des DRV. Alle sind aber heute noch, auch in ihren neuen Aufgaben, mit dem Verein verbunden.

Männermannschaft


Hinten: Heinz Belowa, Thomas Arndt, Harald Huck, S. Wijesingare, Eberhard Heitmann, Gordon Hughes, Lars Herbst, Mark Upsdale, David Wright, Mario Zamorano.
Vorn: Mike Wolff, Alex Latotzky, Bernd Meyer, Aiman Abdallah, Matthias Scheuerlein, John van den Branden, Manfred Neumann, Andreas Buchholz, Mike Brady.
Fehlen: Dietmar Biesecke, Alan Butt, Jörg Kotzur, Ahmed Abdallah, Jörg Kuhlmann