Spielbericht: BSV 92 vs. Münster Marauders (30:5) *Das Viertelfinale*

Es ist schon ein bißchen her. Aber es klingt dennoch nach. In unseren Köpfen und Herzen und Muskeln und Augen. Die Viertelfinalbegegnung im Ligapokal gegen die Münster Marauders. Der Ligapokal wird dieses Jahr das letzte Mal ausgespielt und wir sind sehr stolz darauf, so viel erreicht zu haben. Am 5. Dezember traten die britischen Soldaten der Münster Marauders auf unserem Platz gegen uns an. Wir waren gewappnet!

Das letzte Ligaspiel lief so la la, ein Pflichtsieg gegen unsere Lokalrivalen vom BSC, die wir deutlich bezwangen, auch wenn es alles andere als geschmiert lief. Ganze drei Gedrängehalbs verschliss es während der Partie, so dass am Ende einer unserer dritte Reihespieler in das undankbar kalte Wasser geworfen werden musste. Zum Glück hatten wir Chelo in unseren Reihen, der die Gegner mit drei Versuchen fast im Alleingang bezwang. Natürlich Man of the Match! Den vierten Versuch steuerten unsere Schwergewichte Niko und JP in schönem Zusammenspiel bei. Pflichtsieg. Bonuspunkt. Aber keine wirkliche Herausforderung. Da waren die Jungs aus Münster ein ganz anderes Kaliber. Wir wussten das. In der Runde davor hatten wir den Hamburger Rugby Club bezwungen, immerhin eine Liga über uns spielend. Nun wollten wir uns nicht gegen Münster die Blöße geben. Aber die Fidjis waren spielerisch eigentlich höher einzuschätzen als die Hamburger. Nur weil sie so unregelmäßig spielen können, sind sie in der Regionalliga. Seit Tagen hatten uns Trainer und Captain hochgekocht. In der Kabine vor dem Spiel brannte die Luft. Wir hatten einen sehr starken Kader. Motiviert bis in die Zehenspitzen. Beim Umziehen hörte ich einen starken Spieler bangen, dass er es hoffentlich wenigstens auf die Ersatzbank schafft. Da wusste ich, wie heiß alle waren. Jeder wollte sich beweisen, alles geben, sich für das Team schinden. Mit kochendem Blut liefen wir aufs Spielfeld. Einige Zuschauer hatte es in die Forckenbeckstraße verschlagen, doch als Spieler nahm man sie nur als Farbschlieren an der Außenlinie wahr. Und dann ging es endlich los. Sofort rollte eine Welle über die Marauders. Seite an Seite stürmten wir nach vorne. Man spürte, wie sich alle in den Orkan warfen. Wir bauten Druck auf. Doch Münster bestand zu großen Teilen aus wahrlich kräftigen, erfahrenen Fidjis, die wussten was sie taten. Zunächst mussten wir sie in den Griff bekommen. Sehen, wo Münster Stärken hatte, wo man besser nicht angreifen sollte und wo man seine Offensivbemühungen hinwenden musste. Denn es gab schnell einen ordentlichen Schock, als ein Kick auf den drahtigen Schluss von Münster kam. Dieser Fidji war so was von schnell, dass es einem Angst und Bange wurde. Alle anderen sahen gegen ihn wie in Zeitlupe aus. Erst nach gut vierzig Meter Slalomlauf blieb er in unserer Verteidigungslinie hängen. Gerade Niko mähte ihn um. Besser diesem jungen Herren keine Bälle mehr ermöglichen!
Beständig bauten wir Druck auf. Dann hatten wir uns an die 22 der Gegner vorgearbeitet und griffen mit dem Sturm nahe der rechten Außenlinie an. Münster brauchte viele Spieler, um die Gefahr zu dämmen. Zu viele. Wir nutzten diesen Moment. Schnelle Hände, guter Überblick. Auf der linken Außenlinie bekam schließlich unsere Speedster-Ecke Franz den Ball und zack lag er schon im Malfeld. Blitzsauber! Die erste Erleichterung. Wir können gegen sie punkten.
Und wir ließen nicht nach. Thibaud in seinem letzten etatmäßigen Spiel für uns zeigte wieder einmal seine Klasse. Starker Durchbruch, ich lief innen zur Unterstützung mit. Thibaud setzt einen Dummypass, dann noch einen, die Verteidiger können sich nicht entschließen ordentlich ranzugehen. Thibaud bricht ein Tackle und hechtet ins Malfeld! Deutliche Führung bei diesem mörderischen Spiel. Zwischenzeitlich musste ich so viel und intensiv sprinten, dass mir schwarz vor Augen wurde. Nur dass Julian neben mir auch so auf die Zähne beißt, hat mich weiterkämpfen lassen. Schulter an Schulter wussten wir, dass man alles geben muss. Schließlich Halbzeit. Führung mit zwei Versuchen. Volle Konzentration.

Recht früh in der zweiten Halbzeit haben wir eine Gasse an unserer 22. Der Ball kommt raus, die Gegner sind wahnsinnig schnell auf uns. Ich muss den Pass hastig herausfeuern, ein undankbarer für Thibaud. Aber er ist erfahren. Er sieht, dass der Tackler schon angeflogen kommt und geht deshalb nicht zum Passfangen. Der Ball geht gute zwei Meter neben ihn und Thibaud nimmt das illegale Tackle in Kauf. Das müsste Straftritt geben wegen Tacklens eines Spieler, der den Ball nicht hat. Aber dann der Schock. Die ansonsten wieder vorbildlich pfeifende Schiedsrichterin Ljungdahl lässt weiterspielen. Ein Münsterspieler nimmt den Ball auf, Pass auf die wuchtige Ecke. Versuch an der Eckfahne. Oho. Das wird noch mal knapp! Jetzt steht das Spiel auf Messers Schneide. Wenn wir jetzt noch einen Versuch kassieren, steht alles wieder in Frage. Doch wir berappeln uns und machen weiter stetig Druck. Unsere Stürmer geben wieder alles, doch auch die Hintermannschaft hat ihre Gegenüber im Griff. Der gefährliche Schlussspieler kann seine Stärke nicht mehr ausspielen. Da wirklich alle alles geben, werden die kräftigen Gegner stets gefordert und können sich nicht erholen. Das zerschleißt ihre Kräfte. Etwa zur 60. Minute haben die Münster Forwards wieder ein bisschen das Gefühl, sich stabilisiert zu haben, wie sie mir beim Bier nach dem Spiel berichteten. Doch dann der Genickbrecher. Mehrere frische, klasse Spieler werden eingewechselt. Eine dritte Reihe, die den zerschundenen Gegnern das Letzte gibt. Die Marauders können nicht mehr mithalten. Nun fallen eine Reihe guter Teamversuche. Mal um Mal arbeiten sich unsere Stürmer ins gegnerische Malfeld. Eine super Leistung! Am Ende sind alle ausgepumpt, aber wahnsinnig glücklich. Glücklich, weil man stolz auf sich sein kann. 30:5. Was für ein dominanter Sieg! Was für eine herausragende Leistung! Wahrscheinlich das beste Spiel, was ich in den Farben des BSV je gespielt habe. Wir wussten, wir haben hier Großes geleistet.

Eine schöne Belohnung gab es auch nach dem Spiel. Nicht nur, dass die fairen Verlierer uns bestätigten, dass wir die stärkste Mannschaft seit Langem waren, sondern die Fidjis ehren uns auch mit ihrem Haka, den sie für/ gegen uns aufführen. Wir fühlen uns geschmeichelt.

Wer kann der Man of the Match sein, bei einer nahezu perfekten Mannschaftsleistung? Lange haben Kapitän Justin und ich diskutiert und schließlich die Besten herausgefiltert. Eine herausragende Mannschaftsleistung geht nur von einer herausragenden Basis. Und die bildet sich aus den Props. Christophe und Roman ackerten unauffällig (wie soll es auch anders gehen als Prop?), aber beharrlich. Sie waren das wahre Rückrad der Mannschaft. Christophe meinte, er könne sich an weite Teile des Spiels nicht mehr erinnern, was ihn aber währenddessen nicht davon abhielt, immer seinen Eisenschädel überall reinzuhalten. Und dass Roman weit an der Außenlinie den Verteidigungskick einer Ecke blockt, ist auch kein Zufall. Das ist Einsatz bis zum Ende. Die gute Basis machte unseren Sieg aus. Dazu gehört auch die richtige Einstellung aller Spieler. Die richtige Motivation. Die richtige taktische Ausrichtung. Die richtigen Spielerwechsel zur richtigen Zeit. Die richtige Marschlinie. Das alles gab uns unser Trainer Marek. Wenn eine Mannschaft nahezu perfekt spielt, dann muss die Einstellung des Teams nahezu perfekt gewesen sein. Dann muss der Trainer nahezu perfekt gewesen sein. Wie könnte man Marek als einen der „Men of the Match“ auslassen? Glückwunsch und danke an alle. Das meine ich wirklich so. Danke. Was für ein Spiel!

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