BSV 92 vs. Victoria Linden (06:31)

BSV – Victoria Linden Das erste Spiel. Gott, war das eine lange Sommerpause und meine Güte, war ich heiß, endlich wieder zu spielen. Und dann gleich gegen Victoria Linden, einen der Topfavoriten zum Aufstieg. Im Rückspiel letzte Saison konnten sie uns fast lächerlich spielen mit ihren agilen Hintermannschaftsspielern. Hoffentlich würde es diesmal anders werden! Unsere lange Sommerpause war leider von einigen Rückschlägen gekennzeichnet, es gab überraschende Spielerabgänge und nicht enden wollende Verletzungen. Würde die harte Arbeit dennoch reichen? Wenigstens ist unser Kapitän Justin Woods endlich wieder genesen, was mich besonders freut, weil ich es damals in Hannover als Ersatz-Skipper war, der den BSV gegen Victoria in die kapitale Niederlage führte. Aber jetzt gab es wieder eine neue Möglichkeit unser Ansehen aufzupäppeln. Neues Spiel, neue Chance!

In unseren neuen, roten Trikots ersehnten wir mit diesem merkwürdigen Gefühl aus Anspannung, freudiger Erwartung, Angst und Nervosität den Anpfiff zu unserem ersten Spiel in der neuen Saison. Gleich vom Ankick war aber schnell klar, dass alle BSVler konzentriert und motiviert sein würden. Bis kurz vorm Spiel bestand sogar noch die Gefahr unseren Sturm nicht ordentlich besetzen zu können, jetzt zeigte sich genau das Gegenteil: Mit unseren bärenstarken Forwards, gut in Szene gesetzt vom neuen Gedrängehalb „Frodo“ konnten wir das Spiel schnell gut unter Kontrolle halten. Kein Wunder also, dass wir Victoria im ersten Drittel der ersten Halbzeit weit in ihre Hälfte drängen konnten und dort, fast zu meiner eigenen Verwunderung, gab es plötzliche einen Straftritt, der vom sicheren, stark spielenden Julian Schneider problemlos verwandelt wurde. Führung! Welch Überraschung. Und die auch noch verdient. Wer hätte es gedacht?! Man ist ja Realist. Und ich hatte gehofft, dass wir uns wacker schlagen, aber dass wir auch noch nicht unverdient in Führung gehen würden, hätte ich nicht erwartet. Unser Sturm machte wirklich eine prima Arbeit und auch die Hintermannschaft wurde trotz eigentlich saustarken Gegenübern beim Freiaufspielen nicht groß unter Druck gesetzt. Vielleicht kommt das auch einfach durch die neuen Regeln, an die man noch nicht hundertprozentig gewöhnt ist. Irgendwann Mitte erste Halbzeit arbeitete unser Sturm an der Mittellinie wieder hervorragend. Mit ein/zwei schnellen Innenpässen auf die mitlaufenden dritte Reihe Stürmer gelang der Durchbruch, der uns schnell in Victorias 22 führte. Zwei Unterstützungsspieler waren da, es gab nur noch einen einzigen Verteidiger! Warum diese Überzahl nicht konsequent genug genutzt wurde, wundert mich immer noch. Auf jeden Fall verrannten wir uns doch noch in diesen einsamen Verteidiger. Warum? Warum bloß? Wenigstens behielten wir den Ball und die Situation war noch heiß. Nach einigem Gerangel hatten wir das Spielgeschehen Mitte Goal keine fünf Meter von der Mallinie verlagert. Unsere 12 sah die Lücke und forderte vehement den Ball. Endlich wurde herausgespielt, die Lücke war noch immer offen, man musste nur noch die paar Meter überwinden. Aber die dämliche 12 lässt den Ball beim Fangen (oder eher: Nicht-Fangen) aus den Fingern gleiten. Der Idiot! Blöd, dass ich 12 spiele. Hmmm... Damit hatten wir die wahnsinnige Chance innerhalb von zwei Minuten vertan, unseren Vorsprung spürbar auszubauen. Dennoch waren wir noch gut im Spiel und Victoria hatte bis jetzt noch keine wirkliche Möglichkeit. Zwischendurch probierten sie uns mit hohen Kicks in unsere 22 unter Druck zu setzen, aber so richtig ging der Plan nicht auf. Erstaunlich, dass Victoria es nicht schaffte mit ihrer Hintermannschaft ins Spiel zu kommen. Unsere Verteidigung stand aber auch ziemlich gut, zweimal nagelten wir mit einer sicheren und schnellen Verteidigungslinie 7-Nationalspieler Mike Härtl in seiner eigenen 22 fest. Nicht schlecht. Natürlich dominierten wir das Spiel nicht, dazu hat Victoria einfach zu viel Qualität, aber wir hatten es lange Zeit ordentlich unter Kontrolle. Ich schätze im zweiten Drittel der ersten Halbzeit schafften wir es dann aber nicht, ein gut angesetztes Maul von Victoria zu stoppen und plötzlich stand es 3:7. Trotzdem brach das nicht unsere Motivation, wir wussten, dass heute eine Menge drin war für uns. So bekamen wir nach weiteren guten Angriffen einen Straftritt kurz vor Victorias Mallinie, Mitte Goal zugesprochen. Da wir die Chance verpassten, schnell zu spielen und Victoria gut geordnet auf der Linie stand, beschloss unser Kapitän die sicheren Punkte zu nehmen. 6:7. Danach zog sich die erste Hälfte für mich noch zu gefühlten Stunden. Nicht weil es nicht spannend war, manchmal hat man einfach das Gefühl, dass eine Halbzeit einfach endlos ist. Jeder wird das kennen, der mal auf dem Platz stand. Schließlich pfiff die solide Schiedsrichterin Ljungdahl doch noch ab. 6:7 gegen Victoria zur Halbzeit. Nicht übel. Deshalb glühten auch unsere Gesichter vor positiver Anspannung und Enthusiasmus. Das Gefühl, den Rekordmeister keineswegs unterlegen zu sein, ist nicht schlecht und setzt Energien frei. Aber wir wussten auch, dass uns noch eine schwere zweite Halbzeit bevorstand.

So wurde dann auch nach Wiederanpfiff konzentriert weitergespielt, aber Victoria besann sich nun auf ihre Stärke und setzte die pfeilschnellen Backs besser ein. Der laufende Blitz Mike Härtl zog irgendwann in eine Lücke und war bis zu unserem Malfeld nicht mehr zu stoppen. Trotzdem kämpften wir unaufhörlich weiter und erarbeiteten uns weitere Punkte-Chancen, die aber nicht genutzt wurden. Zudem war dann auch unsere Kondition ausgepumpt und das machte unserer Verteidigungslinie löcheriger. Außerdem verletzte sich leider unsere stark auftrumpfende Nr. 8, Robert Läufer, und musste ernsthaft verletzt ersetzt werden. Im Laufe der zweiten Halbzeit schaffte Victoria noch vier weitere Versuche. Bei den letzten zwei standen wir wie Hühnerhaufen in der Gegend herum, Victoria zwar auch, aber da gab die Qualität der Einzelspieler wohl den Ausschlag. Schließlich verloren wir 31:6, worüber wir vor dem Spiel wahrscheinlich einigermaßen froh gewesen wären, so aber ärgerten wir uns über unsere vertanen Chancen und am Ende mickrige Verteidigung. Man kennt das ja: Beim Bier danach wurde dann natürlich alles haarklein durchanalysiert und meinen dummen Vorwurf bei der Riesenchance durfte ich mir noch den ganzen Abend über anhören. Selber schuld!

Unterm Strich können wir aber stolz auf unsere Leistung sein, prima kämpferische Einstellung, prima Herzblut! Einen Spieler des Tages kann ich diesmal nicht benennen, durch die Bank haben alle gekämpft und alles gegeben. Dennoch bin ich besonders froh, dass endlich wieder unser Kapitän Justin Woods die Mannschaft leiten, und dass sich unser neuer Gedrängehalb Marc „Frodo“ so hervorragend ins Team integrieren konnte. Und natürlich zu letzt: Gute Besserung an unseren wackeren Robert Läufer!

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage dient dazu festzustellen, ob Sie ein Mensch sind und um automatisierte SPAM-Beiträge zu verhindern.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.